Barbaren Bücher

In der Geschichte existiert schon lange der Begriff des „Edlen Wilden“, welcher als Idealbild des von der Zivilisation unverdorbenen Naturmenschen gesehen wurde. Mit ihrer Liebe zur Naturverbundenheit und Ursprünglichkeit fand natürlich insbesondere die Epoche der Romantik großes Interesse am Bild des „Noble Savage“, welcher auch ein wichtiger Teil der Philosophie von Jean-Jacques Rousseau war. Mary Shelleys Monster aus Frankenstein gilt z.B. als „Noble Savage“, weil es von Frankenstein geschaffen völlig unverdorben und gut in die Welt entlassen wird. Erst durch die Ablehnung und Boshaftigkeit der Menschen wird es dann später korrumpiert. Aldous Huxley greift später das Thema des edlen Wilden in seinem Roman „Schöne neue Welt“ von 1932 mit dem Indianer „John“ noch mal auf, um mit ihm den Perversionen der Gentechnik und des wissenschaftlichen Fortschritts, den gezüchteten Klonen, die Unverdorbenheit der Natur gegenüber zu stellen.

Robert Ervin Howard hat dann mit seinen Conan Geschichten im frühen 20. Jahrhundert das Genre des „Sword and Sorcery“ ins Leben gerufen. Sein „Wilder“ hatte aber nichts Edles mehr, sondern zeugte eher von brachialem Determinismus. Conans ursprüngliche Kraft und seine Herkunft mögen noch als wild romantisch durch gehen, doch unterm Bruchstrich ist er häufig einfach ein berechnender Söldner und Dieb, der sich nur allzu gerne an den Annehmlichkeiten der städtischen Zivilisation erfreut.
Howard korrespondierte mit vielen anderen Autoren der „Pulp Fiction“ seiner Zeit, insbesondere mit seinem Zeitgenossen und Brieffreund H.P. Lovecraft. Düstere Bilder und andere Einflüsse von Lovecraft sind in den Conan Novels zu spüren, wie auch Howards Ideen in das Werk von Lovecraft eingeflossen sind. Mittlerweile gibt es ein riesiges Merchandising Monster hinter Conan: Bücher, Comics, Filme, Computerspiele, Actionfiguren und unzählige andere Produkte sind Ableger von Howards Vermächtnis.

Doch besonders die heutige Fantasy Literatur ist vom Bild des Barbaren „Conan“ geprägt worden. Immer wieder halten die unzivilisierten und unbezähmbaren Barbaren nach dem Vorbild von Howards Pulp-Helden in die Belletristik Einzug. In den Romanen von R.A. Salvatore kämpft der Barbar Wulfgar Seite an Seite mit dem dunkelelfischen Titelhelden Drizzt. Und vielen Lesern wird die Conan Persiflage „Hrun von Chimära“ aus Terry Pratchetts Scheibenwelt in Erinnerung geblieben sein. Als starker, aber nicht sehr heller Begleiter des Zauberers Rincewind in Pratchetts erstem Werk der Serie „Die Farben der Magie“ gibt er eine Menge Barbaren-typischer, wortkarger Kalauer zum Besten. Herrlich dabei besonders seine Konversationen mit seinem sprechenden Schwert „Kring“, dessen übersteigerte Geschwätzigkeit er meist mit „Halt die Klappe“ im Keim erstickt. So wurde aus dem edlen Wilden, der gnadenlose Schlächter der modernen Popkultur.